Ab Oktober 2025 gelten in der EU neue, strengere Regeln für Bio-Importe. Bio oder nicht bio? – Für Kakaobauern außerhalb Europas bedeutet das mehr Bürokratie und höhere Kosten – viele könnten ihr Bio-Zertifikat verlieren, obwohl sie weiterhin nachhaltig und im Agroforstsystem arbeiten. Was das für den Kakaomarkt und für „bio“ auf der Schokolade bedeutet, zeigt Silva Cacao in einer spannenden Analyse.
Inhalt
Bei Pott au Chocolat legen wir großen Wert auf die Herkunft und Qualität unserer Zutaten. Deshalb beziehen wir unsere Kakaobohnen unter anderem von Silva Cacao – einem Unternehmen, das sich mit Herzblut für nachhaltige Beschaffung und faire Partnerschaften mit Kakaobauern einsetzt.
Im folgenden Beitrag erzählt Silva Cacao, wie sie arbeiten und warum der Weg zur perfekten Schokolade schon bei der Bohne beginnt.
Wie neue EU-Regeln den Kakaohandel verändern
Ab dem 1. Oktober 2025 tritt eine neue EU-Verordnung in Kraft, die den Import von Bio-Produkten grundlegend verändert. Kakaobauern außerhalb Europas müssen dann dieselben strengen Auflagen erfüllen wie Landwirte innerhalb der EU – von Bodenfruchtbarkeit und Fruchtfolgen über Kooperativenstrukturen bis hin zu Labortests jeder Charge.
Was bisher über nationale „gleichwertige“ Bio-Standards geregelt war, endet. Diese Neuerung betrifft fast alle kakaoproduzierenden Länder weltweit – denn Kakao wächst ausschließlich außerhalb Europas.

Was das für Kakaobauern bedeutet
Nur rund 2 % der weltweiten Kakaomenge sind derzeit bio-zertifiziert. Viele dieser Bohnen stammen von Kleinbauern, die ohnehin nachhaltig wirtschaften – meist im Schatten von Bäumen und ohne chemische Zusätze.
Doch die neuen Regeln machen es ihnen schwerer:
- Nur Kooperativen oder anerkannte Erzeugergemeinschaften dürfen künftig Bio-Zertifikate halten.
- Gruppen dürfen höchstens 2 000 Mitglieder haben.
- Gemischte Betriebe (teils bio, teils konventionell) sind nicht mehr erlaubt.
- Jede neue Umstellung braucht eine dreijährige Übergangsphase.
Damit steigen Kosten und Verwaltungsaufwand deutlich. Viele kleine Produzenten werden ihr Zertifikat aufgeben, obwohl sie weiterhin umweltfreundlich und naturnah arbeiten.
Mehr Kontrolle, weniger Flexibilität
Auch die Zertifizierungsstellen stehen unter Druck. Nur noch EU-akkreditierte Prüfer dürfen kontrollieren – jede Lieferung muss zusätzlich im Labor getestet werden.
Das sorgt für Verzögerungen, Unsicherheit und höhere Kosten entlang der gesamten Lieferkette.
Für kleine Kooperativen, die ohnehin mit geringen Margen arbeiten, kann das existenzbedrohend werden. Schon jetzt zeichnet sich ab, dass weniger Bio-Kakao nach Europa geliefert wird – bei steigenden Preisen.

Was das für Schokoladenhersteller bedeutet
Bean-to-Bar-Manufakturen wie wir stehen nun vor einer wichtigen Frage:
Was bedeutet „bio“ wirklich – und braucht gute Schokolade immer ein Siegel?
Viele Kakaos, die in Mischkulturen wachsen, frei von Pestiziden und mit hoher Biodiversität, verlieren künftig ihren formalen Bio-Status – obwohl sie ökologisch und sozial vorbildlich angebaut werden.
Das zeigt:
„Organic by nature“ steht für nachhaltigen, regenerativen Anbau – auch ohne Stempel, aber mit echter Wirkung.
„Zertifiziert bio“ beschreibt eine formale EU-Konformität.
Silva Cacao: Zwischen Siegel und gelebter Nachhaltigkeit
Unser Partner Silva Cacao aus Belgien arbeitet mit beiden Ansätzen.
Das Unternehmen steht für Transparenz, direkte Beziehungen zu den Bauern und eine Philosophie, die Flavour, Forest, Farmers & Future verbindet.
„Bio-Zertifizierung ist wichtig – aber sie erzählt nicht die ganze Geschichte. Entscheidend ist, wie der Kakao tatsächlich wächst.“
Das Ziel ist klar: Aromatische, nachhaltige und fair bezahlte Kakaos, die Wälder schützen und die Lebensbedingungen der Menschen verbessern, die sie anbauen.

Unsere Haltung: Bio – ja, aber anders
Wir haben uns schon von Anfang an entschieden, uns selbst nicht bio-zertifizieren zu lassen – aus gutem Grund.
Die Kosten und der Verwaltungsaufwand für eine kleine Manufaktur stehen in keinem Verhältnis zum tatsächlichen Mehrwert, wenn man seine Partner kennt, regelmäßig besucht und die Herkunft jeder Bohne transparent nachverfolgen kann.
Trotzdem waren bisher alle Kakaos, die wir bei Pott au Chocolat verarbeiten, in den Ursprungsländern bio-zertifiziert.
Mit den neuen EU-Regeln ändert sich das: Viele dieser Produzenten verlieren ihren Zertifikatsstatus, obwohl sie weiterhin nach denselben nachhaltigen Prinzipien arbeiten.
Für uns zählt die gelebte Praxis mehr als das Etikett:
Nachhaltiger Anbau, direkte Beziehungen, faire Bezahlung und beste Qualität – auch ohne EU-Siegel.
Fazit
Die neuen EU-Vorgaben bringen mehr Kontrolle und Transparenz – aber auch neue Hürden für Kleinbauern. Für Schokoladenhersteller und Verbraucher stellt sich damit eine zentrale Frage neu:
Was bedeutet Nachhaltigkeit – ein Siegel auf der Verpackung oder die Art, wie Kakao tatsächlich wächst?
Bei Pott au Chocolat zählt beides: ehrliche Herkunft und echtes Handwerk.
Denn gute Schokolade beginnt dort, wo Menschen und Natur im Gleichgewicht arbeiten.
Quelle: Silva Cacao, „To Organic or Not to Organic – Understanding How the EU’s 2025 Rulebook Shapes Cacao Value Chains“



